Wenn die aktuelle Debatte rund um Sexismus weiterhin auf einem derart primitiven Niveau geführt wird, werden wir nie auf einen grünen Zweig kommen. Im Gegenteil, wir werden noch mehr verunsichern, uns lächerlich machen und das Missverständnis zwischen den Geschlechtern vergrössern. Und irgendwann wird die Debatte vorbei sein, ohne Mehrwert.

Die aktuelle Debatte rund um Sexismus und Belästigung bringt uns nicht weiter. Ein hysterischer und aufsehenerregender Aufschrei ist eine einseitig geäusserte, oft medienwirksam inszenierte Offensive. Der Anspruch auf Korrektheit und Ordnung geht dabei komplett verloren und reicht bis hin zur Pauschalverurteilung des anderen Geschlechts. Natürlich gibt es klare Grenzen, welche nicht überschritten werden dürfen.

Missverständnisse zwischen Geschlechtern

Viele Grenzen zwischen Flirt und Belästigung sind aber fliessend und oft schwer erkennbar. Beim Kennenlernen und in der Beziehung zwischen Mann und Frau gibt es viele Missverständnisse und permanent sind beide Seiten auf der Suche nach Indizien und Beweise um Wahrheiten zu finden. Beispielsweise sind Grenzen erreicht, wenn eine Seite verletzt wird oder nur schon, wenn der Prozess des Kennenlernens zu schnell fortschreitet, worauf bereits ein Gefühl der Fremdbestimmung und Belästigung entsteht.

Für die Klatschpresse

Manchmal sind diese Grenzen schneller erreicht, als einem lieb ist. Oder die Hinweise, die eine Belästigung anzeigen, werden in der Euphorie verkannt. Hier liegt das Narrativ verborgen. Den meisten Beiträgen der aktuellen Sexismus-Debatte fehlt die Differenzierung. Stattdessen wird einfach einseitig auf das männliche Geschlecht eingedroschen, was ebenso grundfalsch ist, wie die einseitige Belästigung eines Individuums. Was bleibt sind Verunsicherung und Verurteilung. Wahrheiten zu finden, war wohl nie das Ziel dieser Debatte, sondern nur, die Zeilen der Klatschpresse zu füllen.

Artikel in der Zeitung EXTRABLATT vom 2. Februar 2018

Christine Rütti, Balsthal,
Kantonsrätin

04.02.2018 | 236 Aufrufe